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Künstler / Produktion

Hirngespinste - Gerd Anthoff liest J. Bernlef

Musik: Martin Kälberer

„Hirngespinste“ ist ein ergreifender Roman, in dem der niederländische Autor J. Bernlef (1937-2012) vom zunächst langsamen, dann immer schneller fortschreitenden Verfall eines Alzheimer-Kranken konsequent aus dessen Perspektive erzählt. Film-, Fernseh- und Theaterschauspieler Gerd Anthoff präsentiert diesen Text in einer hochemotionalen Lesung und trifft damit mitten ins Herz seiner Zuhörer, ohne den Verstand auszulassen. Musikalisch begleitet und dramatisiert wird der Abend von Martin Kälberer mit Eigenkompositionen am Klavier.
Anthoff liest die Geschichte des Patienten Maarten Klein nicht nur mit seiner facettenreichen Stimme. Er schlüpft förmlich in die Figur, wird mit dem alten Mann zunehmend zerstreuter, versucht mit all seiner schwächer werdenden Kraft den Alltag aufrechtzuerhalten, während ihm die Erinnerung an die banalsten Dinge mehr und mehr verloren geht. Die Zuhörer werden von Anthoff auf diese Reise in den Abgrund mitgenommen. „Intensiver geht es nicht“, „Das Publikum hielt den Atem an!“, so oder ähnlich schreibt die Presse über diesen Abend, der traurig macht, aber die Besucher am Ende mit einem poetischen Gleichnis versöhnt und entlässt.
Gerd Anthoff wurde einem breiten Publikum vor allem durch seine Rolle als der zwielichtige Bauunternehmer Toni Rambold in der inzwischen klassischen Sat1-Serie „Der Bulle von Tölz“ bekannt. In der ZDF-Reihe „Unter Verdacht“ spielte er an der Seite von Senta Berger den charmant durchtriebenen Kommissariatsleiter Dr. Claus Reiter. Für diese Rolle erhielt er 2003 den Adolf-Grimme-Preis. Darüber hinaus wirkte er in erfolgreichen BR-Fernsehserien wie „Löwengrube“, „Hausmeister“, „Cafe Meineid“ oder „Kaiser von Schexing“. Theaterstationen waren die Münchner Kammerspiele, das Volkstheater und das Gärtnerplatztheater in München, die Salzburger Festspiele. Bis 2011 war er Ensemblemitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Er arbeitete mit so bedeutenden Regisseuren wie Ingmar Bergmann, Dieter Dorn, Hans Lietzau, Hans Neuenfels und vielen anderen.
Martin Kälberer ist seit vielen Jahren als Begleiter von Werner Schmidbauer (u.a. „Aufgspuit“ im BR-Fernsehen, „Süden“) und außerdem als gefragter Multiinstrumentalist in vielen anderen Projekten unterwegs. Daneben ist es nach wie vor und immer mehr die freie, improvisierte Musik und die Suche nach neuen Klängen und speziellen Orten und Momenten, die ihn fasziniert und die er in seinen Solo-Projekten („Suono“ 2015, „Baltasound“ 2018) umsetzt.
Der Autor mit dem Pseudonym J. Bernlef ist einer der bekanntesten Schriftsteller der Niederlande. In seinem Roman um den Alzheimer-Patienten Maarten Klein schildert er berührend das Altern eines 71-jährigen Mannes, der diesen schleichenden Prozess für sich als zunächst schmerzhafte Erfahrung von geistigem und körperlichem Verfall erlebt, aber auch ein verändertes Welt- und Wirklichkeitsverhältnis erlangt, in dem jeder Tag zum Abenteuer wird. Bernlef arbeitete als Buchhändler, Redakteur und Übersetzer, schrieb zahlreiche Gedichtbände, Romane, Theaterstücke und zwei Bücher über Jazz. „Hirngespinste“ ist in Holland Schullektüre.

"Hirngespinste" von J. Bernleff wurde 2016 neu aufgelegt bei Reclam Stuttgart. Übersetzung: Maria Csollany

Besetzung
Gerd Anthoff » Sprache
Martin Kälberer » Piano
siehe auch
» Gerd Anthoff
» Damals an Weihnachten ... - Gerd Anthoff
» Perlen aus dem Schmonzetten-Meer. Gerd Anthoff liest Ludwig Ganghofer
» Anthoff liest ... Geschichten zur Winterzeit

Pressetexte
» Hirngespinste - Gerd Anthoff liest J. Bernlef Musik: Martin Kälberer
Pressefotos
» Gerd Anthoff, Hirngespinste 1
» Gerd Anthoff, Hirngespinste 2
» Gerd Anthoff, Hirngespinste 3
» Gerd Anthoff, Hirngespinste 4

Pressestimmen

25.09.2017, Lindauer Zeitung

"Einen anderen Ansatz für das Thema Alzheimer hat sich die Sozialstation Lindau dieses Mal für den Weltalzheimertag vorgenommen. Mit der Lesung "Hirngespinste" ist ihr das bestens gelungen. ...so wird der Abend für die Zuhörer im vollbesetzten Gewölbesaal des Heilig-Geist-Spitals zu einem höchst intensiven Erlebnis".

Maria Luise Stübner

16.10.2016, SZ Wolfratshausen

"Mit Bernlefs Schilderungen zwingt Anthoff das Publikum zu ernsthafter Auseinandersetzung und zum Nachdenken. Und doch endet der Abend mit viel Applaus. Und das ist auch im Sinn des Schauspielers. Denn wann immer er die Lesung mit Kälberer anbiete, spüre er oft viel Reserviertheit, sagt Anthoff. Für ihn aber sei der Roman fiktiv und solle auch unterhalten."

Benjamin Engel

30.09.2013, Münchner Merkur

„...Begleitet von Martin Kälberer am Klavier entwickelt Anthoff seine Lesung zu einem fesselnden, dramatischen Erlebnis. Angespannt wartet der Zuhörer auf den Fortgang der Geschichte, der er dank Schauspieler Gerd Anthoff nicht nur lauschen, sondern die er auch nachempfinden kann. Stille, Verzweiflung, Wut, Ratlosigkeit - all das liegt in Anthoffs Stimme, die anfangs noch recht flüssig, später jedoch - für die Krankheit typisch - schroff und gebrochen klingt. Mit hektischen Handbewegungen versucht er, den wirren Gedanken zu folgen, wütend ballt er die Faust, traurig und schwach folgt er den Hirngespinsten, gibt sich dem Schicksal resignierend hin, um dann wieder aufzubegehren und verzweifelt um sich zu schlagen. Eine außergewöhnliche Lesung, die bewegt und nachdenklich stimmt, ja manchmal sogar ängstigt, vor allem aber tief berührt.“

17.10.2011, Süddeutsche Zeitung

„...Der Schauspieler Gerd Anthoff gibt Maarten Klein eine Stimme. Die rund 100 Zuhörer genießen seine Art vorzulesen, manche schließen die Augen. Der 65-Jährige liest nicht nur, er spielt. Seine facettenreiche Stimme und seine Gestik drücken die Verzweiflung der Figur aus, wenn der alte Mann selbst nicht versteht, was mit ihm passiert. Wenn die Verzweiflung in Wut umschlägt, wird Anthoff laut, ballt die rechte Hand zur Faust. Je weiter der Verfall des Maarten Klein voranschreitet, desto abgehackter klingen auch die Worte des Schauspielers. ...
Musikalisch begleitet wird die Lesung von Martin Kälberer am Klavier. ... Das Spiel gibt den Zuhörern die Möglichkeit, sich das eben Gehörte, das erschreckend ist, noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Manche nehmen sich auch eine kurze Pause, um sich auf das ausgezeichnete Spiel des Pianisten zu konzentrieren. ...“

Anna Schultes